Von Sofia, nach Arbanassi und Veliko Tarnovo

Als wir im Morgengrauen in Sofia aufbrechen, fällt mir ein, dass ich keine Straßenkarte von Bulgarien habe. Das fängt gut an. In einem riesigen Kombi steuere ich aus der Stadt hinaus.

Wir kurven auf der Landstrasse in Richtung Küste. Es beginnt zu tröpfeln. Aus dem leichten Nieseln wird strömender Regen. Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich die ohnehin miserable Strasse in ein Meer. Schlammige braune Brühe. Ich habe das Gefühl das Auto schwimmt. Wir halten an. An eine Weiterfahrt ist nicht zu denken. In einem Cafe am Strassenrand irgendwo zwischen Sofia und Veliko Tarnovo sitzen wir und warten stundenlang, bis es aufhört zu regnen. Am Nachmittag lässt der Regen nach und wir fahren weiter. In Arbanassi findet die Hochzeit statt. Ein bulgarischer Schriftsteller heiratet. Arbanassi ist eine Umsteigestation in ein anderes Jahrhundert. Gepflasterte Steine, durch alte Holztore und Pferdefuhrwerke: eine kleine Stadt voll atmosphärischer Bilder.

Nach Stunden ohrenzerfetzender bulgarischer Blechmusik fahren wir nach Veliko Tarnovo. Die Stadt spielte bis weit ins 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle, sie war die Hauptstadt des zweiten bulgarischen Reiches. Das Friedensprotokoll von San Stefano war die Geburtsstunde eines autonomen Fürstentums Bulgarien, die Zeit der Türkenherrschaft war beendet. Südbulgarien blieb allerdings unter der Bezeichnung Ostrumelien noch bis 1885 unter türkischem Einfluss. Bulgariens neue Existenz 1879 erhielt in Veliko Tarnovo eine Verfassung, Prinz Alexander von Battenberg wurde Fürst von Bulgarien, allerdings nicht lange, 1886 brachte ihn eine Offiziersverschwörung zu Fall und er dankte ab. Mit der Wahl von Ferdinand I von Sachsen, Coburg und Gotha zum Fürsten und Zaren von Bulgarien ging eine kulturell-politische Umorientierung einher. Nach der vormaligen Bindung zu Russland orientierte sich Bulgarien nun über seinen neuen Fürsten an Österreich-Ungarn.

Als wir das Altwarengeschäft verlassen, stürmt die Besitzerin hinterher. Sie gestikuliert wild. Nana kann sich als Georgierin mit ihr verständigen. Wir hätten gestohlen, schreit sie. Was bitte? Zwei Gläser. Die Aufregung legt sich, als sich heraustellt, dass wir die zwei Gläser versehentlich auf einen anderen Platz zurückstellten. Veliko Tarnovo besitzt eine bezaubernde Altstadt, Bauten mit Holzaltanen und loggiaartigen Vorbauten. Osmanische Baukunst vom Feinsten.

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Maunky2

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