Das Licht des Südens. Meran

Einst glanzvoller Ort zwischen Sein und Schein, räumlich und zeitlich reizvoll konstruiert. Die alte Kurstadt ist eine Ode an die Sehnsucht.

Meran lebt vom Licht des Südens. Die angestammte Jahreszeit der Stadt ist der Frühling. Wenn die kühlen Winde durch das Talbecken brausen, bricht die Erde auf. Die graubraunen Fluten des Flusses wandeln sich zum eisgraublauen, frühsommerlichen Gletscherton und zum schäumenden Schwemmland. Das Tempo des südlichen Frühlings ist rasant. Die Sonne fermentiert die Erde, rauchiger Geruch dampft in der Luft. Die Wärme zaubert helles, frisches Grün. Und plötzlich über Nacht beginnt es in den Gärten der Stadt zu blühen.

Links und rechts des Flusses liegen die Kurpromenaden. Der spröde Charme der Winterseite erinnert an die glanzvollen Jahre des vorvorigen Jahrhunderts. Die alte Wandelhalle war das Reich der irrlichternden Tuberkulosen, die von Krankheit und Vergnügungssucht zerrissen, zwischen Leben und Anhauch des Todes changierten. Die Gäste flanierten auf den Promenaden, schlürften Molke oder Traubensaft und suchten zu genesen. Später lag die Halle lange verlassen und ungenutzt. Der einstige Mittelpunkt wandelte sich zu einem stillen Ort. Die zierliche Walzeisenkonstruktion ist immer noch von üppig wuchernden Glyzinien umrankt.

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Meran, Obermais, Josef Reiterer 1931